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Lokaler Aktionsplan 2004–2005
1. Problemlagen:
Im Stadtteil Fischbachberg (mit dem Annex Heidenberg) bestehen ca. 570
Wohnungen der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft und der
Landesentwicklungsgesellschaft. Sozialverträgliche Belegungskonzepte konnten
nur zum Teil umgesetzt werden.
Sozialstrukturell ist diese Region die problematischste in Siegen. Der
Anteil der SozialhilfeempfängerInnen ist ca. 3 mal so hoch wie in der
Gesamtstadt (14,7%). Es sind überwiegend junge Menschen betroffen. Auf Grund
des vergleichsweise günstigen Wohnraums beträgt der Anteil an
Spätaussiedlern ca. 30 %. Dieser Anteil wurde durch qualitative
Untersuchungen von vor Ort tätigen Fachkräfte (ASD, Stadtteilbüros, IB) und
der Schulstatistik ermittelt. Dazu kommt ein hoher Anteil an Ausländern (ca.
10 %). In zentralen Straßenzügen können diese Anteile auch über 60%
betragen.
Der Arbeitslosenanteil von jungen Menschen aus diesen Bevölkerungsgruppen
ist besonders hoch (qualitativ ermittelt). Aufgrund der Problemlagen
(mangelhafte Deutschkenntnisse, mangelhafte soziale Integration) sind die
beruflichen Perspektiven dieser Personengruppen sehr schlecht. Es besteht
ein erhebliches kriminelles Potential gerade bei den o.g. männlichen
Zielgruppen (deutliche Zunahme an Vandalismus). Bedarfe bestehen
insbesondere im Bereich der Integration der MigrantInnen /Ausländer und im
Bereich der (beruflichen) Qualifizierung und Beschäftigung für diese
Zielgruppen.
Die qualitativen Erkenntnisse aus Befragungen von Multiplikatoren, in
sozialen Runden und Stadtteilkonferenzen (mit Bürgerbeteiligung) zeigen
deutlich, dass im Sinne des Gender Mainstreaming, verschiedene
geschlechtsspezifische Problemlagen bestehen. Der weibliche Teil der
Zielgruppe ist eher häuslich orientiert und partizipiert nur in geringem
Maße am öffentlichen Leben. Die Mädchen und Frauen bewegen sich in erster
Linie in ihrer Bevölkerungsgruppe.
Die Aufarbeitung von Sprachdefiziten und die soziale Integration ist sehr
erschwert. Die Einmündung in den Arbeitsmarkt ist auf Grund der Problemlagen
fast unmöglich. Dies gilt z.T. auch für deutsche AnwohnerInnen. Männliche
Heranwachsende der Zielgruppen sind stadtbildprägend. Auch hier besteht das
Problem, dass sie i.d.R. nur mit ihrer Bevölkerungsgruppe Kontakt haben, so
dass Sprach- u. Integrationsprobleme die Folge sind. Entsprechend bestehen
erheblich Probleme beim Eintritt in den Arbeitsmarkt. Um beiden
Geschlechtern die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, im Sinne des Gender
Mainstreaming, zu eröffnen sind für die Zielgruppen geschlechtsspezifische
Zugänge notwendig.
2. Entwicklungsziele:
Die primären Entwicklungsziele bestehen in erster Linie in der Verbesserung
der Möglichkeiten der beruflichen Integration der Zielgruppen und der
Förderung der sozialen Integration in den Stadtteil. Um die
Chancengleichheit der Geschlechter zu verbessern, sind dazu unterschiedliche
Projektzugänge erforderlich.
Die Vernetzung der Akteure (Stadtteilbüros, Stadtteilkonferenzen, soziale
Runden) ist weitgehend angeschlossen. Erforderlich ist noch der Aufbau eines
Bündnisses für "Soziale Integration und Einmündung in den Arbeitsmarkt".
Eine Stärkung des Ehrenamtes in und aus diesen Bereichen soll ebenfalls
erfolgen. Angestrebt ist weiter auch Strukturen und Projekte zur Förderung
von Existenzgründungen zu fördern. Die Entwicklungsziele sind jeweils
geschlechtsspezifisch zu differenzieren und durch verschiedenen
Projektzugänge zu realisieren:
1.
Förderung der sozialen Integration
1.1.
Förderung von Vereinen und Initiativen (Netzwerke, Strukturen, Initiativen)
1.2.
Stärkung des Ehrenamts
2. Verbesserung
der Möglichkeiten der beruflichen Integration in den Arbeitsmarkt von
AussiedlerInnen, AusländerInnen und deutschen EinwohnerInnen.
2.1.
Förderung der sozialen Integration von
AussiedlerInnen und AusländerInnen
2.2.
Abbau der sprachlichen Defizite von AussiedlerInnen und AusländerInnen.
2.3.
Förderung der beruflichen Qualifizierung von
AussiedlerInnen und AusländerInnen und deutschen EinwohnerInnen.
2.4.
Förderung von Existenzgründungen.
Die erhofften Beschäftigungswirkungen bestehen in der Verbesserung der
Grundvoraussetzungen zur Integration in den Arbeitsmarkt bzw. mittelfristig
in der Einmündung in den Arbeitsmarkt und in der Verbesserung der sozialen
Integration zukünftig auch unter Nutzung der Möglichkeiten durch Hartz IV.
3. Handlungskonzept:
Die Stadt Siegen unterhält in dem Gebiet Fischbacherberg (mit Annex
Heidenberg) zwei Stadtteilbüros. Die Stadtteilbüros sind erste
Ansprechpartner für die EinwohnerInnen in der Region und richten die
sozialen Runden und Stadtteilkonferenzen aus. In der Vergangenheit waren sie
für die Umsetzungen der Zielsetzungen als Stadtteil mit besonderem
Erneuerungsbedarf zuständig.
Zu dem Handlungskonzept gehört auch die Regionalisierung von kommunalen
Diensten (Wohnhilfe- und Sozialberatung). Der Allgemeine Soziale Dienst der
Stadt Siegen ist in der Region verortet und die Hilfen zur Erziehung werden
zum Teil sozialraumorientiert erbracht. Bei all dem wird die Einwohner- bzw.
Adressatenbeteiligung als Prämisse gesehen.
Die primären weiteren Entwicklungsziele wurden mit den sozialen Akteuren und
Stadtteilkonferenzen entwickelt. Sie bestehen in der sozialen und berufliche
Integration von AussiedlerInnen, AusländerInnen und Deutschen. Zur
Erreichung sind Maßnahmen aus folgenden Bereichen unter Prämisse des Gender
Mainstreaming notwendig:
A) Soziale Integration (als Grundvoraussetzung für eine
Berufliche Integration):
Sprachförderung, Stärkung des Ehrenamt in/für diese Bereiche, Kursangebote
(z.B. politische- / soziale Bildung/ Werte und Normen), Maßnahmen im Bereich
der Kriminalitätsprävention;
B) Berufliche Integration: Entwicklung von Qualifizierungs-
und Beschäftigungsmaßnahmen, Praktikums- / Stellenbörse.
Im Rahmen der E&C-Förderung (K&Q) konnte die Stadt Siegen u. a. einen
Computerraum und eine Werkzeugbörse einrichten. Dieser Bestand kann nun auch
innerhalb der Mikroprojekte eingesetzt werden.
Eingebettet sind diese Handlungsmaßnahmen im Rahmen einer gut ausgebauten
Vernetzungsstruktur und im Bereich der regionalisierten kommunalen Angebote
(ASD, Schulsozialarbeit etc.). Verschiedene freie Träger (Verein für soziale
Arbeit und Kultur, Internationaler Bund, Ev. Jugendhilfe) haben bereits
Beratungs- und Betreuungsprojekte für diese Zielgruppen gestartet. Zur Zeit
werden entsprechende Projekte zur Verbesserung der Integrationsmöglichkeiten
in den Arbeitsmarkt unter dem Blickwinkel des Gender Mainstreaming von den
sozialen Akteuren entwickelt und abgestimmt, die dann durch Mittel
realisiert werden könnten.
4. Lokales Netzwerk:
Initiiert durch die Stadtteilbüros bestehen bereits „Soziale Runden“ mit den
lokalen Akteuren wie Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden,
Jugendhilfeträgern, Jugendtreffs und weiteren relevanten Trägern. Darüber
hinaus sind Stadtteilkonferenzen mit allen interessierten AnwohnerInnen seit
Jahren ein fester Bestandteil. Alle relevanten Belange der Region werden in
diesen Gremien vorgestellt und beraten. Vereine mit sozialräumlichem Bezug
haben sich gegründet und bündeln bereits ehrenamtliches Engagement.
Verwaltungsintern besteht bereits seit Jahren die Projektgruppe
"Fischbacherberg". Darüber hinaus existiert ein entsprechender politischer
Bezirksausschuss speziell für diese Region. Im engeren Bereich der
Jugendhilfe existieren zielgruppenorientierte Arbeitskreise gem. § 78 KJHG
und die übergeordneten PG 80 KJHG, AG 95 BSHG. Auch für diese Region
existiert seit 4 Jahren eine Arbeitsgemeinschaft "Mädchenförderung".
5. Projektideen:
Entsprechend den Problemlagen sollen AnwohnerInnen aus den Zielgruppen unter
der Prämisse des Gender Mainstreaming durch die Qualifizierung und
Beschäftigung in den Mikroprojekten ausreichende Qualifikation für ihren
beruflichen (Wieder-) Einstieg erhalten. Folgende Mikroprojekte sind z.B.
denkbar: Sprachförderung AussiedlerInnen/ AusländerInnen, Praktikumbörse
(Vermittlung und Betreuung von Praktikums- und Arbeitsgelegenheiten);
Betreuungsprojekte als Begleitmaßnahmen für die Qualifizierungsprojekte
(Mutter-Kind-Kurse), Projekte zur beruflichen Qualifizierung (Qualifizierung
als Tagesmutter, -vater; Hauswirtschaftsprojekte, Landschaftliche Projekte,
technische Serviceprojekte, PC-Kurse; Angebote für junge Immigranten zur
sozialen Integration als Grundvoraussetzung für die berufliche Integration
(z.B. Ferien-) Freizeiten für junge Immigranten, Kursangebote (Werte und
Normen, politische und soziale Bildung etc.)
Bündnis für Integration:
Angestrebt wird ein dauerhaft zu installierendes Bündnis für Integration mit
allen relevanten sozialen Akteuren. Dieses Bündnis hat dann die Aufgabe
gezielt Angebote und Maßnahmen für diese Bevölkerungsgruppen unter dem
Blickwinkel des Gender Mainstreaming zu entwickeln. Förderung von
Organisationen die gemeinwesenorientierte Projekte aus den Bereichen Kultur,
Kunst, Förderung des Ehrenamtes, Begleitung von Selbsthilfegruppen,
Sportprojekten, etc entwickeln. Diese Projekte sollen als eine Grundlage zur
Stärkung der sozialen Integration als Grundvoraussetzung für die berufliche
Integration gefördert werden.
Angestrebt ist, aus den o.g. möglichen Beschäftigungsprojekten
Existenzgründungen anzustoßen. Hier könnten z.B. Serviceangebote im
Hauswirtschaftlichen Bereich, im Bereich des technischen Service (Autopflege
etc.), im Bereich Wohnungsrenovierung, oder der Landschaftspflege oder auch
im Bereich der Kinderbetreuung durch Förderungen angestoßen werden.
6. Der Begleitausschuss:
Die Zusammensetzung des Begleitausschusses wurde im Rahmen eines Runden
Tisches in der Region definiert. Er besteht aus MitarbeiterInnen des
Jugendamtes (ASD, Förderung junger Menschen, Sozial- und
Jugendhilfeplanung), den Leitern der Stadtteilbüros sowie lokalen Akteuren
vor Ort (VertreterInnen der sozialen Runden). Die Gleichstellungsstelle und
die Wirtschaftsförderung/Stadtentwicklung wird ebenfalls vertreten sein.
Über die Stadtteilkonferenzen werden VertreterInnen der EinwohnerInnen in
den Begleitausschuss gewählt. Auf eine Zusammensetzung im Sinne des Gender
Mainstreaming wurde geachtet.
Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis wird angestrebt. Über die
Mikroprojekte wird nach Prioritätenlisten entsprechend der Zielgruppen und
der Vorgaben im lokalen Aktionsplan entschieden. Hierbei bildet die
Einhaltung der Zielrichtung des Gender Mainstreaming ein K.O.-Kriterium. In
einem erweiterten Kreis werden die bewilligten Projekte in sozialen Runden
vor Ort sowie in Stadtteilkonferenzen besprochen.
7. Öffentlichkeitsarbeit und
Dokumentation:
In den Stadtteilzeitungen werden eigene Rubriken bzgl. der Projekte
eingerichtet. In der letzen Ausgabe (1/2004) wurde bereits die Möglichkeit
einer Förderung kurz dargestellt.
Bei positivem Entscheid wird eine lokale Starterkonferenz initiiert und
das Programm und seine Zielsetzungen intensiv vorgestellt. Auf den
Gender-Aspekt wird intensiv eingegangen werden.
Eine entsprechende Presseberichterstattung wird erfolgen. Der Projektverlauf
wird dokumentiert und es werden entsprechende Zwischen- und
Abschlussberichte gefertigt. Des weiteren werden Dokumentationen per Video
gefertigt. Aus diesem Material wird dann eine DVD erstellt (ggf. von den
TeilnehmerInnen). Daneben wird von den TeilnehmerInnen selber eine
Internet-Präsenz der Projekte in den Computer-Kursen erstellt, welche später
im Rahmen des Abschlussberichtes über alle Förderperioden erweitert
wird.
8. Fazit:
Durch die geförderten Projekte wurden bereits große
Beschäftigungswirkungen erzielt. Für einige Teilnehmerinnen stehen bereits
bei Projektabschluss Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt direkt zur
Verfügung (Lagerhelfer) bzw. wird die Nutzung der Qualifizierung durch freie
Träger vor Ort sichergestellt (Familienhelferin). Für andere Teilnehmerinnen
konnten bereits Ausbildungsplätze gefunden bzw. zur Verfügung gestellt
werden. Für andere TeilnehmerInnen soll in der 2. Förderperiode – nach der
Qualifizierung in Phase 1 – die Existenzgründungsphase beginnen.
Die im bisherigen Lokalen Aktionsplan primären Zielgruppen können mit den
derzeitigen Projekten gut erreicht werden.
Die Zusammenarbeit der sozialen lokalen Akteure (freie Träger, kommunale
Einrichtungen wie ASD und Stadtteilbüros) und der freien Wirtschaft konnten
stark verbessert werden. Im Ergebnis konnten so Arbeits- und
Ausbildungsplätze für Los-Teilnehmer/innen gewonnen werden.
Ein Mikroprojekt scheiterte an der Teilnehmer/innen-Akquise. Der Träger hat
sich bei der Akquise in erster Linie auf die gerade neu gegründete ARGE
verlassen. Die angestrebte Kooperation mit weiteren Partnern ließ sich nicht
realisieren. Ein weiterer Grund war, dass der Träger seine Arbeitsauslastung
nicht richtig eingeschätzt hatte und es so nicht genügend zeitliche
Ressourcen aufbringen konnte. Ein zweites Mikroprojekt scheiterte ebenfalls
an der Teilnehmer/innen-Akquise.
Die Zielgruppe "weibliche Spätaussiedlerinnen" im Übergang Schule-Beruf
stand für dieses Projekt nicht mehr in ausreichendem Umfang zur Verfügung.
Die Projektinhalte und Methoden waren nicht ausreichend für die Zielgruppe
"zugeschnitten", sodass die Teilnehmerinnen aufgrund von mangelnder
Attraktivität der Projekteinheiten nach und nach fernblieben und bald
aufgrund der häufigen Fehlzeiten der Teilnehmerinnen das Erreichen der
Erfolgsindikatoren nicht mehr realistisch war.
Die Koordinierungsstelle und weitere Beiratsmitglieder standen in ständigem
persönlichen Kontakt mit den Mikroprojekten, insbesondere den Zielgruppen.
Dabei war ein sehr hohes Interesse und ein sehr großes Engagement bei den
Teilnehmer-/innen festzustellen. Einige Teilnehmer/innen konnten Erfolge in
ihrem weiteren beruflichen Werdegang (Praktikums-, Ausbildungs- oder
Arbeitsstelle) erzielen.
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Projekte der Förderperiode 2004/2005:
• Qualifizierung zur Familienhelferin
•
Integrationsprojekt für
Migrant/innen
•
Fit für unsere Welt
•
Crash-Kurs Lernwerkstatt
•
Training
Berufswahlorientierung – Traum und Wirklichkeit
•
Arbeiten lernen
•
Kleiderladen
•
Fahrradwerkstatt
• Holzwurm
•
Lagerhelfer
•
Minijobbörse
Klicken
Sie auf das Bild
um einen Film über die Förderperiode 2004–2005 anzuschauen.
Der Film dauert etwa 9 min.


Bild: Die Starterkonferenz am 04.10.2004 zur Förderperiode 2004
– 2005 fand unter großem Interesse der Lokalen Akteure in den Räumlichkeiten
des Dr.-Ernst-Schuppener-Hauses statt.

Bild: Der
Lokale Aktionsplan der Stadt Siegen für die Förderperiode 2004 – 2005 wird
von Andreas Liedtke und Axel Roth, Sozial- und Jugendhilfeplanung der Stadt
Siegen (Links und Rechts) unter Anwesenheit des Bürgermeisters der Stadt
Siegen, Herr Steffen Mues (Mitte, damals noch erster Beigeordneter),
vorgestellt und erläutert.
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