Lokaler Aktionsplan 2006–2007
Problembeschreibung:
Die bisherigen Problemlagen sind grundsätzlich
nach wie vor vorhanden. Der Sozialraum ist geprägt von einem hohen Anteil
von A2LL/Sozialhilfeempfängerinnen und Arbeitslosen. Der Anteil von
ausländischen Mitbürgern und Spätaussiedlern ist hoch.
Die
Integrationsproblematik aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse ist nach wie
vor gegeben. Ein weiteres Problem besteht in der mangelhaften sozialen
Integration in bestehende Nachbarschaftsnetzwerke, insbesondere bei den
Frauen ausländischer Herkunft. Darüber hinaus hemmt die Sprachbarriere auch
die Möglichkeit, in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden.
Aufgrund der
Arbeitsmarktsituation ist die Problemlage speziell für ältere Arbeitslose
groß, eine Reintegration in den Arbeitsmarkt zu realisieren. Die
Schulabgänger der im Sozialraum angesiedelten Hauptschule haben häufig
aufgrund ihrer mangelnden sozialen Kompetenzen große Probleme bei der
Planung ihres weiteren Lebensweges, insbesondere bei der Suche nach einem
Ausbildungsplatz.
Die bisherigen
Entwicklungsziele wurden langfristig angelegt und enden nicht zum jeweiligen
Förderzeitraum. Diese bisher angedachten Zielsetzungen haben sich
hinsichtlich des sozialen Umfeldes im Zielgebiet als richtig und erfolgreich
bestätigt. Entsprechend sollen diese auch im wesentlichen weiterentwickelt
werden. Daher soll aufbauend eine weitere Ausweitung auf breitere
Zielgruppen erfolgen, da es sich herauskristallisiert hat, dass nicht nur
die zunächst ins Blickfeld geratenen "typischen" sozial Benachteiligten
(Aussiedler/innen, Sozialhilfeempfänger/innen, Arbeitslose etc.) einen
Unterstützungsbedarf haben, sondern die sozialen Probleme wesentlich breit
gefächerter sind. Somit soll noch bedarfsorientierter gearbeitet werden.
Es ergeben sich primär
folgende Zielsetzungen:
•
Integrationsproblematik aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse aufarbeiten
•
Soziale Integration
verbessern
•
Verbesserung der
Chancengleichheit der Geschlechter
•
Weiterentwicklung der
sozialen Netzwerke
•
Unterstützung der
Schulabgänger der im Sozialraum angesiedelten Hauptschule bei der Suche nach
einem Ausbildungsplatz
Einrichtung eines „Sozialkaufhauses“
Darüber hinaus ist, um
noch deutlichere Nachhaltigkeit zu erzielen, ein Kooperationsmodell mit
verschiedenen Modulen (Projekten, die jeweils eigenständig sind, aber
sich gegenseitig ergänzen) und unter größtmöglicher Förderung der Träger-
und Angebotsvielfalt sowie der Kooperationsbereitschaft angestrebt. Dies
soll in einem so genannten "Sozialdienstleistungscenter" verwirklicht
werden.
Für die nächste
Förderperiode wurde der beabsichtigte Lokale Aktionsplan mit den in Frage
kommenden Kooperationspartnern im Rahmen einer Informations- und
Diskussionsveranstaltung Anfang April 2006 erörtert. Dabei wurden die
zukünftigen strategischen Schwerpunkte und Entwicklungsziele ausführlich
dargestellt und mit konkreten Projektideen unterlegt. Verschiedene Träger
sollen hier Qualifizierungsprojekte als "Modulsystem" an einer zentralen
Stelle in der Region anbieten. In gemeinsamen Räumlichkeiten sollen z.B. ein
Kleider- und Möbelladen mit integrierter Änderungsschneiderei und
Möbelaufbereitungswerkstatt und ein "Nachbarschaftscafe" eingerichtet
werden. Um Stigmatisierungseffekten zu begegnen, ist angestrebt, eine
Postfiliale zu integrieren.
Innerhalb diese
Projektes lassen sich die Gender-Belange ideal berücksichtigen. Vorteile:
•
zentrale Anlaufstelle
für den Sozialraum zur Bildung von Netzwerken innerhalb der Anwohner
•
Angebots- und
Trägervielfalt schaffen
•
Existenzgründungen
ermöglichen
•
zentrales Angebot für
alle Bewohner ohne soziale Einschränkung
•
Nachhaltigkeit
•
Das Konzept ist
insbesondere auch auf die Gender-Belange ausgerichtet.
Qualifizierungsmöglichkeiten im Rahmen des Programms:
•
Innenausbau
•
Existenzgründung
Kleiderladen, Möbelladen
·•
Holzverarbeitung,
Möbelaufbereitung
•
Nähen, Schneidern, ...
•
Dienstleistungen,
Cafebetrieb, Reinigung.
Neben dem
Vernetzungsprojekt sollen auch Einzelprojekte angeboten werden, z.B.
•
zur Qualifizierung von
Jugendlichen zur Erlangung des Schulabschlusses und zielgerichtetes
praxisnahes Lernen hinsichtlich der Realisierung eines Ausbildungslatzes
Integrationsprojekte (Sprachkurse mit Schwerpunkt Arbeitsplatzfindung)
•
Projekte für ältere
Arbeitslose zur Reintegration in den Arbeitsmarkt.
Durch die Kooperation
von MP-Trägern und erfolgreich verlaufene Mikroprojekte konnte eine
Verbesserung der Vernetzungsstrukturen und von "Einzelschicksalen" erreicht
werden.
Weitere
Entwicklungsziele:
•
Aufbau und
Verstetigung sozialer Netzwerke
•
Schaffung einer
zentralen Anlaufstelle für Bewohner/innen aus der Sozialraum mit der
Möglichkeit zur Begegnung, Gedankenaustausch, herausholen aus der Anonymität
ihrer "4 Wände"
•
Vernetzung/Kooperation
von verschiedenen freien Trägern aus dem sozialen Bereich, in einzelnen
"Bausteinen/Modulen" eigenständig, allerdings unter einem gemeinsamen
Kooperationsmodell in partnerschaftlicher Zusammenarbeit,
•
Unterstützung kleiner
Träger,
•
Unterstützung bei
Existenzgründungen, ...
Die
bisher erreichten Ziele wurden analysiert und bedarfsorientiert in enger
Beteiligung der Zielgruppenvertreter bei den "Runden Tischen" und
Stadtteilkonferenzen erörtert. Aufgrund der Problemlagen in dem Stadtteil
werden regelmäßig in enger Zusammenarbeit insbesondere mit den
Stadtteilbüros und den lokalen Akteuren der Sozialraum analysiert,
Handlungsbedarfe ermittelt und Lösungsmöglichkeiten/Ziele formuliert und
grob skizziert. Dies erfolgt durch Workshops unter Beteiligung der jeweils
speziell betroffenen Institutionen/Kooperationspartner im Rahmen des Träger-
und Ämternetzwerkes.
Für die nächste
Förderperiode erfolgte eine Abstimmungs- und Infoveranstaltung mit den
Trägern und lokalen Akteuren Anfang April 2006. Bei dieser Veranstaltung
wurde der Lokale Aktionsplan diskutiert. Die Träger konnten aus ihren
Erfahrungen der letzten Förderperioden berichten und zukünftige
Bedarfe/Handlungsfelder darlegen. Konkrete Projektideen aus dieser Runde
wurden intensiv besprochen. Bis Ende April 2006 werden die interessierten
Träger ihre Projektkonzepte verschriftlicht einreichen, die dann Anfang Mai
2006 im Begleitausschuss erstmals konkret diskutiert wurden. Danach werden
konkrete Projekte im Begleitausschuss, in dem wiederum Zielgruppenvertreter
vertreten sind, erörtert.
Fazit
Bei den formulierten und langfristig angelegten Entwicklungszielen wurden
die speziellen Problemlagen im Zielgebiet richtig erkannt und
weiterentwickelt.
Durch verschiedene geschlechtsspezifische Angebote, insbesondere für
weibliche Zuwanderer konnte eine Verbesserung der sozialen und
gesellschaftlichen Integration erreicht werden. Zum Teil konnten
ProjektteilnehmerInnen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, was
durchaus ein positives Fazit zulässt. Insgesamt haben sich die Chancen der
TeilnehmerInnen auf weitergehende Beschäftigungsmaßnahmen aufgrund der
Qualifizierung und dem Grad des Bekanntwerdens bei einzelnen Unternehmen,
die Kooperationspartner der Projekte sind, verbessert.
Die Vernetzungsstrukturen innerhalb der verschiedenen freien Träger und der
lokalen Bündnisse haben sich im Zielgebiet deutlich verbessert. Ebenso die
Infrastruktur durch das errichtete Sozialkaufhaus und andere Projekte.
Außerdem hat sich für viele ProjektteilnehmerInnen eine deutliche
Verbesserung ihrer persönlichen beruflichen und Lebenssituation ergeben.
Alle Mikroprojekte sind erfolgreich verlaufen und werden – hinsichtlich der
Installierung im Sozialkaufhaus – auch nachhaltig sein.
Die Zielerreichungsgrade wurden in der laufenden und in den vergangenen
Förderperioden regelmäßig unter Beteiligung der MP-Träger und der
ZielgruppenvertreterInnen, sowie im Rahmen der lokalen "Runden Tische"
analysiert und reflektiert, wobei auch der Zusammenarbeit mit den
Stadtteilbüros, die vor Ort alles koordinieren, eine wichtige Funktion
zukommt.
Die Zielgruppen sind breitgefächert in den einzelnen Gremien
(Stadtteilkonferenz, Runde Tische, Begleitausschuss) vertreten.
Der Begleitausschuss hat die Förderperiode von Beginn an begleitet bzw.
durch die Lokale Koordinierungsstelle begleiten lassen. Er ist ein sehr
harmonisches und objektives Gremium bei der Bewertung und Begleitung der
Mikroprojekte. Er hat sich mittlerweile zu einem stabilen Gremium mit einer
hohen Sachkompetenz entwickelt.
Die Projekte und die Programmumsetzung genießen durchweg eine große
Akzeptanz der Bevölkerung im Stadtteil. Insbesondere wird mit zunehmender
Laufzeit der Programmumsetzung und regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit
ein steigender Bekanntheitsgrad erreicht.
Es existieren Wartelisten für bestimmte Projektangebote. Gleichzeitig ist
aber auch eine gewisse Motivationslosigkeit für Projekte, insbesondere
im Bereich der HauptschulabgängerInnen festzustellen. Das begründet sich
wesentlich damit, dass sich Jugendliche Schulabgänger häufig noch keine
genaue Vorstellung über ihre berufliche Entwicklung machen. Sie können aus
der relativen Sicherheit der elterlichen Umgebung noch nicht absehen, was es
bedeutet, ohne Arbeit zu sein und sind noch nicht verantwortlich für eine
eigene Familie. Andererseits macht sich auch hinsichtlich der
gesellschaftlichen Entwicklung allgemeinmotivierte Perspektivlosigkeit
insbesondere bei jungen Menschen breit.
Im Rahmen des Programms sollte diese Problematik intensiver aufgegriffen werden,
und ein besonderer Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit in der Hauptschule
und Akquise von Hauptschulabgängern für weitgehend passende Projektkonzepte
gelegt werden.
Erfolgsmodell Sozialkaufhaus
Diese Förderperiode wurde insbesondere dafür genutzt, ein besonderes
Kooperationsprojekt mit den bewährten Trägerstrukturen durchzuführen. Es
wurde ein Sozialkaufhaus errichtet, in dem verschiedene aufeinander
abgestimmte Mikroprojekte unter ei-nem Dach nebeneinander bestehen. So wird
erfolgreich eine Kombination aus Möbelladen, Kleiderladen,
Änderungsschneiderei mit Näh-, Bügel- und Wäscheservice und Imbissbereich („Begegnungscafe“)
in diesem Haus angeboten.
Sogar der Umbau der Räumlichkeiten des Sozialkaufhauses erfolgte im Rahmen
eines Mikroprojektes zur Qualifizierung von jungendlichen
Ausbildungsplatzsuchenden aus der Region im handwerklichen Bereich.
Durch das Sozialkaufhaus wurde der soziale Zusammenhalt im Gebiet gestärkt,
verbunden mit der Möglichkeit für Einzelne, Anschluss an den Arbeitsmarkt zu
finden. Dadurch kann das Gemeinwesen sein eigenes soziales und
wirtschaftliches Potenzial besser ausschöpfen und über den Förderzeitraum
hinaus weiter entwickeln.
Durch das Projekt „Sozialkaufhaus“ ist der Stadt Siegen ein Novum gelungen,
dass verschiedene, bisher zum Teil konkurrierende Projektträger an einem
gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten, dieses Haus auch über die Förderperiode
hinaus zu tragen, was wiederum nachhaltig für diese Region eine Bereicherung
darstellt.
Das Sozialkaufhaus war auch hinsichtlich Nachhaltigkeit ein Meilenstein der
Weiterentwicklung sozialer Netzwerke und muss weiter im Fokus des Lokalen
Aktionsplans stehen. Es hat sich herauskristallisiert, dass die Bündelung
einer Angebots- und Trägervielfalt in kooperativer Zusammenarbeit sehr dazu
geeignet ist, einen benachteiligten Stadtteil positiv zu verändern und einen
benachteiligten Personenkreis besonders zu unterstützen. Daher sollte durch
vertiefende und ergänzende Projekte das „net(t)werk“ weiterhin im Blick sein.
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